Download PDFdownload

Abhandlung von der Wahren Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria - ZWEITER TEIL - Von der vorzüglichsten Andacht zur allerseligsten Jungfrau oder von der vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria

Spis treści

 

Sechstes Kapitel - Anwendung dieser Andacht bei der Hl.

Kommunion

1. Vor der heiligen Kommunion

Demütige dich tief vor Gott. Entsage allen deinen verderbten Neigungen und eigenen Vorbereitungen, wie gut sie deiner Eigenliebe auch erscheinen mögen. Erneuere deine Hingabe mit den Worten: Tuus totus ego sum et omnia mea tua sunt, „ich bin ganz dein, teuerste Herrin, mit allem, was ich habe." Bitte diese gute Mutter, dir ihr Herz zu leihen um in ihm ihren Sohn mit den Gesinnungen ihres Herzens empfangen zu können. Stelle ihr vor, dass es der Ehre ihres Sohnes nicht entspreche, in dein beflecktes und unbeständiges Herz zu kommen, das seine Ehre nur beeinträchtigen könne und nur zu leicht in Gefahr gerate, ihn wieder zu verlieren. Ganz anders wäre es, wenn sie zu dir kommen und bei dir Wohnung nehmen würde, um ihren Sohn zu empfangen. Sie könne das ohne weiteres bei der Herrschaft, welche sie über die Herzen besitze, und ihr Sohn würde dann von ihr geziemend empfangen werden ohne Gefahr, entehrt oder wieder verdrängt zu werden: Deus in medio ejus, non commovebitur (Ps 45,6), „Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken." Sage ihr auch mit demütigem Vertrauen, dass alles, was du ihr bisher von deinen Gütern geschenkt hast, zu wenig sei, um sie genügend zu ehren; du habest daher das Verlangen, ihr durch die heilige Kommunion dasselbe Geschenk zu machen, das sie vom ewigen Vater erhalten habe; du könntest sie dadurch mehr ehren, als wenn du ihr alle Güter der Welt schenken würdest; auch Jesus, der sie einzig liebe, verlange noch immer, in ihr seinen Wonneaufenthalt zu nehmen und Ruhe zu finden. Zu ihr werde er gerne kommen, wenn sie in deiner Seele weile, die unreiner und armseliger sei, als der Stall zu Bethlehem, in den er auch gern gekommen sei, weil Maria dort war. Bitte sie mit zärtlichen Worten, sie möge dir ihr Herz schenken: Accipio te in mea onmia; pr«be mihi cor tuum, o Maria! „Ich nehme dich auf in mein Eigentum; schenke mir dein Herz, o Maria!"

2. Während der heiligen Kommunion

Bereit zum Empfange des Heilandes sprich nach dem Pater noster dreimal mit aller Innigkeit das Domine, non sum dignus etc. Beim ersten Mal denke dabei an den ewigen Vater, als wollest du ihm sagen, du seiest wegen deiner bösen Gedanken und deiner Undankbarkeit gegen einen so guten Vater nicht würdig, seinen eingeborenen Sohn zu empfangen; bitte ihn, er möge auf Maria sehen, die als getreue „Magd des Herrn", für dich handle und dir ein besonderes Vertrauen und ein lebhaftes Verlangen nach seiner Majestät einflöße: Quoniam singulariter in spe constituisti me (Ps 4,10), „denn du hast mich sonderlich in der Hoffnung befestigt."

Beim zweiten Mal sage zum Sohn: Domine, non sum dignus etc., du seiest nicht würdig, ihn zu empfangen wegen deiner unnützen und bösen Worte, wegen deiner Untreue in seinem Dienste. Dennoch bätest du ihn, Mitleid mit dir zu haben. Voll innigster Sehnsucht wollest du ihn in das Haus seiner und deiner Mutter einführen und nicht eher werdest du deine Bitten einstellen, als bis er gekommen sei, um in ihr Wohnung zu nehmen: Tenui eum, nec dimittam, donec introducam illum in domum matris me« et in cubiculum genitricis me« (Hl 3,4), „ich halte ihn und will ihn nicht gehen lassen, bis ich ihn einführe in das Haus meiner Mutter und in das Gemach meiner Gebärerin." Bitte ihn, sich zu erheben und an den Ort seiner Ruhe und in die Arche seiner Heiligung zu kommen: Surgue, Domine, in requiem tuam, tu et arca sanctificationis tu« (Ps 131,8), „erhebe Dich, o Herr, in Deine Ruhe, Du und die Arche Deiner Heiligung." Sage ihm, dass du in keiner Weise wie Esau dein Vertrauen auf deine Verdienste, deine Stärke und deine Vorbereitungen setzest, sondern nur auf Maria, deine teure Mutter, wie es der schwache Jakob seiner Mutter Rebekka gegenüber getan habe. Wiewohl ein Sünder wie Esau, wagest du es doch, dich seiner Heiligkeit zu nahen, gekleidet und geschmückt mit den Tugenden seiner heiligen Mutter.

Beim dritten Male bekenne endlich dem Heiligen Geiste: Domine, non sum dignus etc., du seiest nicht würdig, das Meisterwerk seiner Liebe zu empfangen wegen deiner Lauheit und Sündhaftigkeit bei deinen Handlungen, ja wegen deines Widerstandes gegen seine Einsprechungen; dein ganzes Vertrauen beruhe aber auf Maria, seiner treuen Braut. Dann kannst du mit dem hl. Bernhard sagen: H«c mea maxima fiducia est; h«c tota ratio spei me«, „sie ist mein größtes Vertrauen; sie ist der ganze Grund meiner Hoffnung." Du kannst ihn selbst bitten, wiederum in Maria, seine unzertrennliche Braut, herabzukommen. Ihr Schoß sei noch ebenso rein, ihr Herz noch ebenso flammend, wie ehemals; ohne seine Herabkunft in deine Seele könnten aber weder Jesus noch Maria in dir Gestalt gewinnen, noch würdige Aufnahme bei dir finden.

3. Nach der heiligen Kommunion

Nach der heiligen Kommunion sollst du innerlich gesammelt und mit geschlossenen Augen Jesus Christus in das Herz Mariä einführen. Schenke ihn seiner Mutter, die ihn liebreich und ehrenvoll aufnehmen, ihn demütig anbeten, ihn vollkommen lieben, ihn innig umfangen und ihm im Geist und in der Wahrheit Huldigungen erweisen wird, die uns in unserer geistigen Finsternis unbekannt sind. Ein andermal verdemütige dich tief in deinem Herzen in Gegenwart des in Maria wohnenden Jesus. Oder verhalte dich wie ein dankbarer Knecht an der Pforte des Palastes, in dem der König weilt, deinetwegen mit der Königin zu sprechen; während sie sich miteinander unterreden, ohne deiner zu bedürfen, eile im Geiste durch den Himmel und über die ganze Erde, um alle Geschöpfe zu bitten, mit dir Jesus und Maria zu danken, sie zu verehren und zu lieben: Venite adoremus, venite etc., „kommt, lasst uns anbeten, kommt usw." Oder bitte selbst in Vereinigung mit Maria Jesus um die Ankunft seines Reiches auf Erden durch seine heilige

Mutter, oder um göttliche Weisheit und Liebe, oder um Nachlass deiner Sünden, oder um irgend eine andere Gnade, aber immer durch Maria und in Maria, indem du deine Verwerflichkeit betrachtest und sprichst: Ne respicias, Domine, peccata mea, „Herr siehe nicht auf meine Sünden"; sed oculi tui videant «quitates Mari«, „deine Augen mögen in mir nur die Tugenden und Verdienste Mariä schauen." In Erinnerung an deine Sünden kannst du hinzufügen: Inimicus homo hoc fecit, „ein feindseliger Mensch hat das getan"; ich, der größte Feind, den ich auf dem Halse habe, habe diese Sünden begangen; oder auch: Ab homine iniquo et doloso erue me, „von dem ungerechten und betrügerischen Menschen errette mich"; oder: Te oportet crescere, me autem minui, „Du, mein Jesus, musst wachsen in meinem Herzen, und ich muss abnehmen." Maria, du musst wachsen bei mir und ich muss noch geringer werden, als ich bisher schon war. Crescite et multiplicamini, „o Jesus und Maria, wachst in mir und vermehret euch außer in mir auch in anderen."

Es gibt noch eine Menge anderer Gedanken, welche der Heilige Geist eingibt und dir eingeben wird, wen du innerlich abgetötet bist und dieser großen, erhabenen Andacht treu bleibst, welche ich dich gelehrt habe. Denke immer wieder daran: je mehr du Maria in deiner Kommunion wirken lässt, um so mehr wird Jesus verherrlicht werden. Du wirst Maria für Jesus und Jesus in Maria um so mehr wirken lassen, je tiefer du dich verdemütigst, je mehr du auf sie hörst in Frieden und Stillschweigen, ohne dir Mühe zu geben, zu sehen, zu kosten und zu fühlen. Denn der Gerechte lebt durchaus aus dem Glauben, und besonders aus der heiligen Kommunion, welche eine Handlung des Glaubens ist: Justus meus ex fide vivit (Heb 10,38).